Die geheime Welt der Fußball-Helden

Der Leipziger Universitätsverlag ist bekannt für hohe Fachlichkeit und Seriosität, gepaart mit einem publizistischen Geschick, auch schwierige Themen attraktiv und leicht verständlich zu vermitteln. Neben reinen Fachbüchern erscheinen jährlich ein Dutzend oder mehr Hochkaräter, die auch ein breiteres Publikum in ihren Bann ziehen. Pünktlich zur Leipziger Buchmesse 2014 zündet der Leipziger Universitätsverlag nun aber eine Bombe, die sich zu einem Frontalangriff auf die Fußballkultur entwickeln könnte.

„Die Fußball-Nationaltrainer der DDR zwischen SED und Staatssicherheit“ heißt das knapp 800 Seiten starke Mammutwerk von Otto Altendorfer, das reichlich Bewegung in die Welt der Fußball-Nostalgiker bringen könnte, sodass sich in manchen Fällen sogar „11 Freunde“ schnell auf „10 kleine Jägermeister“ reduzieren ließen.

Zweifellos: Otto Altendorfer hat aufwändig und akribisch recherchiert, zudem verbietet sein berufliches Selbstverständnis populistische Schnellschüsse. Der Professor für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule Mittweida studierte Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie und ist seit 2004 Direktor der Mitteldeutschen Journalistenschule. Nach journalistischer und wissenschaftlicher Tätigkeit wirkte er von 1991 bis 1993 als Referent für Medienpolitik beim Generalsekretär der CDU.

Zugleich stellt Professor Altendorfer an den Anfang seiner umfassenden Arbeit eine heikle Fachfrage, die vielen Fußball-Fans aus der Seele sprechen dürfte: Warum konnte der DDR-Fußball international nicht mehr Erfolge sammeln, obwohl die „Diplomatie im Trainingsanzug“ in der DDR einen sehr hohen Stellenwert besaß und man zudem auf viele gute Kicker zurückgreifen konnte?

Dieser letzte Punkt ist durchaus wichtig für die Fragestellung des Werkes – und die Einschätzung dazu ist sehr unterschiedlich. Der legendäre Nationaltrainer Georg Buschner aus Jena etwa stellte grundsätzlich fest, dass es in der gesamten Zeit des DDR-Fußballs höchstens fünf Weltklassespieler gegeben hatte. Dabei verstand er unter Weltklasse Ausnahmeakteure wie Pele, Franz Beckenbauer oder Gerd Müller. Also Jahrhundertspieler wie Jürgen Croy aus Zwickau oder Peter Ducke aus Jena.

Nicht minder spannend zugleich die Fragen, was da eigentlich genau passierte unter den Aspekten der Politik und der Sicherheit des Staates. Wieso und in welcher Weise haben sich gestandene Fußball-Helden gegenseitig bespitzelt, warum wussten sie sogar vom Tun des jeweils anderen und wieso sind sie trotzdem bis heute dicke Freunde geblieben?

Darüber wird in der nächsten Zeit sicherlich noch diskutiert werden. Jetzt sofort kann auch direkt mit dem Autor Otto Altendorfer über sein eindringliches Werk gesprochen werden.

Am Samstag, dem 15. März, ist Otto Altendorfer von 12.30 bis 13 Uhr in der Leipziger Buchhandlung Hugendubel in der Petersstraße zu Gast und von 15.30 Uhr bis 16 Uhr auf der Leipziger Buchmesse im Sach- und Fachbuchforum H 300 in Halle 3. Bei Hugendubel bohrt zudem „Kommissar“ Henner Kotte persönlich nach.

Mehr Informationen, auch zu den weiteren hochkarätigen Neuerscheinungen des Leipziger Universitätsverlages, unter www.univerlag-leipzig.de

Holger Gemmer

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