Spaziergang mit Vater Hessel

In Berlin herrscht aktuell Selbstzweifel. Ist die Hauptstadt out? Internationale Trendsetter haben Leipzig als den kommenden Treffpunkt entdeckt. Das nagt am Ego mancher Menschen an der Spree. Der Leipziger BUCHFUNK Verlag streichelt deshalb die Metropolen-Seele mit ewig gültigen Eindrücken beim „Spazieren in Berlin“. Kein Geringerer als Franz Hessel hat sie eingefangen.

Der Schriftsteller, Übersetzer und Lektor Franz Hessel war zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit geraten. Seit 2010 wird sein Werk und sein Vermächtnis jedoch wieder verstärkt gewürdigt – und durch den Franz-Hessel-Preis getragen, initiiert von der „Stiftung Genshagen“ aus dem brandenburgischen Ludwigsfelde und durch die „Villa Gillet“ aus Leipzigs Partnerstadt Lyon.

Gefördert vom deutschen Kulturstaatsminister und Frankreichs Kulturminister, soll der Preis zeitgenössische Autoren ehren, die eine deutsch-französische Verständigung fördern. Franz Hessel, dessen Sohn Stéphane in jüngster Vergangenheit erfolgreich für „Empörung“ sorgte und für ein Plus an zivilgesellschaftlichem Engagement warb, war ein solcher Brückenbauer zwischen Frankreich und Deutschland.

Legendär zudem seine Ménage-à-trois, die er gemeinsam mit Ehefrau Helen Grund und dem französischen Kunsthändler und Schriftsteller Henri-Pierre Roché pflegte und die dem Regisseur Francois Truffaut als Vorlage für den Filmerfolg „Jules und Jim“ von 1962 mit Jeanne Moreau und Oskar Werner diente.

Seinen Spaziergang durch das pulsierende Berlin absolvierte Franz Hessel bereits 1929 – und dennoch wirken seine klugen Momentaufnahmen erstaunlich aktuell. Er beschreibt Berlin als eine Stadt, „die immer unterwegs ist, immer im Begriff, anders zu werden.“ Regisseur Moritz von Rappard verbindet Hessels Beobachtungen eindringlich mit Jazz-Kompositionen des Composers Orchestra Berlin. Eine erste kleine Massage der Gehörgänge unter www.buchfunk.de.

BUCHFUNK-Verleger Johannes M. Ackner gibt sich bei aller Klasse der Produktion bescheiden und verweist darauf, dass die Publikation auf einer Arbeit des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) basiert. Leipzig zeigt Berlin somit in doppelter Weise, dass „Spree-Athen“ dauerhaft eine besondere Note behält und Berliner ganz entspannt zwischen Hauptstadt und Messestadt pendeln können.

Holger Gemmer

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