Start der Energiewende

Die Diskussionen um eine Energiewende sind kein Modethema aufgrund jüngster Entwicklungen, sondern ein Evergreen seit mehr als 40 Jahren. Bündnis 90/ Die Grünen gingen im Zuge der Umwelt- und Friedensbewegung sowie der Anti-Atomkraftbewegung der 1970er Jahre ab 1980 daraus hervor. Und auch der oft gescholtenen Wirtschaft sollte man die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht absprechen.

Einen wichtigen Meilenstein bildet die Gründung des „Club of Rome“ 1968 auf Initiative von Aurelio Peccei, der seinerzeit der Firmenleitung von Fiat und Olivetti angehörte, und Alexander King, damals Direktor für Wissenschaft, Technologie und Erziehung bei der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Wie ein Donnerschlag wirkte bereits 1972 ein vom „Club of Rome“ in Auftrag gegebener Bericht über „Die Grenzen des Wachstums“, den die Volkswagen-Stiftung mit einer Million DM finanzierte und der ein dringendes weltweites Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit anmahnte.

Die Ölkrise im Jahr darauf forcierte die Forderung nach einer Energiewende. Auch hier tat sich ein Industriegigant hervor: Krupp aus Essen. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung lobte einen „Preis für Energieforschung“ aus und stattete ihn mit einem Preisgeld in Höhe von 500.000 DM aus.

Der Berliner Autographen-Händler und Wissenschaftsexperte Ralf Hahn findet das interessant und beeindruckend: „Zum Vergleich: Der Nobelpreis war damals mit 330.000 DM dotiert. Krupp lobte somit einen der weltweit finanziell am höchsten ausgestatteten Wissenschaftspreise aus.“

Im Jahre 1977 wurde dieser Preis von Bundespräsident Walter Scheel (FDP) an acht in- und ausländische Forscher verliehen, die sich um das Ultrazentrifugenverfahren zur Anreicherung von Uranisotopen verdient gemacht haben.

In der Verleihungsurkunde, die der Kuratoriumsvorsitzende Berthold Beitz (1913-2013) eigenhändig unterschrieben hat, folgt gleich im ersten Satz die maßgebliche Begründung: „Im Rahmen der Energievorsorge für die Zukunft wird die Kernenergie eine gewichtige Rolle spielen.“

Ralf Hahn bot ein Original auf der Antiquariatsmesse im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2014 an. Die Urkunde, die 1977 dem Kernphysiker Konrad Beyerle verliehen wurde. Ein besonderer Beleg auch im Blick auf aktuelle und seit Jahrzehnten anhaltende Diskussionen zur Energiewende.

Das Dokument sagt nichts aus über falsch oder richtig, sondern vertieft den Einblick in Entwicklungen. Und es zeigt, wie spannend Antiquariat aus unterschiedlichsten Gründen sein kann.

Holger Gemmer

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