Warnung vor dem Krieg

Das Leipziger Graphikantiquariat Koenitz am Markt 1 im Alten Rathaus ist eine besondere Adresse für Graphikliebhaber. Warum das so ist, bewies der feingeistige Leipziger Antiquar, Kunsthändler und Kulturförderer Martin Koenitz eindrucksvoll auf der Antiquariatsmesse während der Leipziger Buchmesse – mit einer eindringlichen Warnung vor dem Krieg.

Ob auf seinem Schloss Herrenbreitungen an der Werra (www.schloss-breitungen.de) oder in seinen Geschäftsräumen in edler Lage auf Schloss Pillnitz, in Dresden oder Leipzig: Martin Koenitz hat nicht nur die schönen Dinge fest im Blick, sondern verfolgt auch kritisch und besorgt das sonstige Geschehen in der Welt.

Da scheint im gegenwärtig manches nicht zu gefallen – und er hat offenbar sogar vorausgeahnt, dass da schreckliche Entwicklungen auf uns zukommen. Jedenfalls ist seine Auswahl allein schon für den Katalog der Antiquariatsmesse auf der Leipziger Buchmesse eine drastische Warnung vor politischen Fehlentscheidungen mit kriegerischen Folgen.

Martin Koenitz macht deshalb das vielleicht Kommende drastisch und eindringlich sichtbar – und selbstverständlich auf eine besonders hochkarätige Weise: Koenitz lässt zum Beispiel Francisco de Goya sprechen!

„Los Desastres de la Guerra – Die Schrecken des Krieges“ heißt die politisch brisante wie auch berühmte Folge von 80 Graphiken, die in den Jahren 1810 bis 1814 entstanden und die ganze Brutalität und Grausamkeit des Guerilla-Krieges, also des Krieges im Kleinen oder Kleinkrieges, im spanischen Befreiungskampf gegen die Truppen Napoleons veranschaulicht.

Goya kommentiert das Gezeigte nicht, sondern bleibt neutral im Hintergrund. Seine Schockbilder zeigen die Gräuel, die von französischen Soldaten an der Bevölkerung verübt werden, aber auch die nicht minder grauenhaften Racheakte und Übergriffe der Guerilla an den Invasoren.

Goya verweigert eine eindeutige Stellungnahme hinsichtlich Gut und Böse, denn das ist kaum zu unterscheiden. Das macht ihn bis heute so visionär und aktuell. Die Radierungen wurden erst 1863 erstmals gedruckt und veröffentlicht, was viel über ihren kritischen Stellenwert ausdrückt, der in einer reaktionären und von nationalen Interessen geprägten Welt schwer zu vermitteln ist. Freundlich ausgedrückt …

Sieben Auflagen in jeweils sehr geringer Stückzahl wurden im Laufe der Jahrzehnte gedruckt. Das Graphikantiquariat Koenitz bietet die sehr gut erhaltene und seltene Sammlung in der 3. Auflage von 1903 an – für 21.500 Euro.

Im preislichen Kontrast dazu und dennoch vielsagend steht „Das verwirrte Europa“ von Petrus Valckenier aus dem Jahre 1677, das sehr umfangreich und genau eine politisch-historische Beschreibung der in Europa seit 1664 geführten Kriege und politischen Entwicklungen vermittelt.

Für 750 Euro lässt sich auch hier ein Beleg dafür erwerben, dass aus den vielen Lehren der Vergangenheit nicht zwingend die vorteilhaftesten Konsequenzen gezogen werden. Warum auch immer das so sein mag …

Holger Gemmer

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