Fußball bringt Sympathisanten

Ludger und Miguel aus Paderborn sind entzückt. Sie schwärmen von Leipzigs Reizen und Entwicklungen und wollen nach diesem Wochenende mit ihren Familien erneut in die Messestadt reisen. Diesmal kamen sie als Fans und Förderer des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn 07 anlässlich des Spiels bei RB Leipzig.

Dass ihre Kicker 0:2 unterlagen, schmerzte die beiden Ostwestfalen. Trotzdem erlebten sie den Besuch im Stadion auch angenehm. „Eine großartige Arena, dazu eine prächtige Stimmung. Auch organisatorisch alles absolute Spitze“, lobten beide unisono.

Dass Edel-Gastronom Dietrich Enk beim Catering im VIP-Bereich mit Blick auf das Gästeteam unter anderem einen ausgezeichneten westfälischen Sauerbraten kredenzte, fiel ihnen sofort als ein besonderes Detail auf.

Und entlockte Ludger eine mutige Erkenntnis: „Das ganze Gerede um Kommerz-Clubs ist doch absurd. Ich nehme das vorrangig als unterschiedlich motivierte Ablenkungsmanöver wahr. Ohne große finanzielle Mittel lässt sich im heutigen Fußball nichts erreichen. Sie bilden das Fundament, ohne sie kann kein Spitzenverein existieren. Und auch die Kleineren nicht.“

Miguel, der seinen neunjährigen Sohn Liam dabei hatte, betreibt in Paderborn die kultige Cocktail-Bar „Hemingways“ und kredenzt dort den besten Cuba Libre in Westfalen, wie mehr als ein Dutzend anwesende Paderborner bestätigen.

Er nutzte das Spiel, um einen vertiefenden Eindruck von Leipzig insgesamt zu gewinnen: „Eine außergewöhnliche Stadt, in der man sich sofort wohlfühlt. Sehr lebendig und schön anzuschauen. Wir kommen bald wieder her.“

So sehen es viele der mitgereisten Paderborner Fans. Schon jetzt haben manche ein Leipzig-Wochenende gebucht. Ein Quartett Senioren fällt auf, das in den letzten fünf Jahren bis auf drei Ausnahmen sämtliche Pflichtspiele ihres Vereins begleitete. Sie wissen zu erzählen, dass die Oma von RB-Mittelfeldkämpfer Diego Demme ähnlich oft beim SCP dabei ist. Sie trug am Freitagabend zwei Herzen in ihrer Brust und freute sich, dass ihr Enkel gegen seinen Ex-Club über 90 Minuten stark auftrumpfte.

Der SC Paderborn 07 hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten eine sehr positive Entwicklung genommen. Viel Anteil daran hat Martin Hornberger, der als Hauptgeschäftsführer und geschäftsführender Vizepräsident beim SCP in ähnlicher Funktion wirkt wie die Herren Watzke und Rummenigge in Dortmund und München. Wobei er öffentliche Statements bevorzugt Trainer, Manager und Präsident überlässt.

In Leipzig wird nicht zuletzt über die Persönlichkeit von Martin Hornberger deutlich, warum der professionell arbeitende SCP stark familiär geprägt ist. Beim Gang durch die Stadt trifft der Vizepräsident wiederholt auf kleine Paderborner Fangruppen, die ihn mit einem freudigen Hallo begrüßen, während er sich ebenso herzlich grundsätzlich Zeit für ein kurzes Gespräch nimmt.

Hornberger ist gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Mathias angereist und nutzt den Termin zusätzlich für ein Treffen mit Freunden aus Leipzig, die beide im Sommer 1989 bei der Arbeiter-Spartakiade in Moskau kennenlernten … Das führt sie regelmäßig in die Messestadt.

Martin Hornberger schwärmt ähnlich wie Ludger und Miguel: „Eine fantastische Stadt. Die Entwicklung in den letzten 25 Jahren ist phänomenal. Ich freue mich auch, dass Leipzig zurück ist auf der Fußball-Landkarte. Da gehört die Stadt einfach hin. Zumal der Spitzen-Fußball einen riesigen Werbewert für eine Stadt und Region besitzt.“

Ein Spezialgebiet Hornbergers, über das er im zurückliegenden Jahr diverse Vorträge hielt. Abgerundet durch Belege am Beispiel Paderborn: „Als wir in der letzten Saison als Erstliga-Aufsteiger nach vier Spieltagen überraschend Tabellenführer waren und zum Titelverteidiger Bayern München reisten, setzte plötzlich ein wahrer Paderborn-Hype aus China ein … Das half auch großen Sponsoren, die in der Automobil-Branche tätig sind.“

Martin Hornberger ist ein Mann des Ausgleichs, der nichts von Aktionismus hält und nachhaltige Entwicklungen bevorzugt: „Ich hege viel Sympathie für Leipzig. Und weil der Fußball reichlich Sympathisanten bringt, ist er vielfach fruchtbar für die Stadt.“

Holger Gemmer

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